Gestohlenes Licht

Pünktlich zum Erscheinungstag war es da, das E-Book Gestohlenes Licht von Carolin Lüders. Schon die Kurzgeschichten der Autorin, die ich im Fediverse entdeckt hatte, faszinierten mich und so war Gestohlenes Licht schnell vorbestellt und ich konnte es kaum erwarten. Das Wochenende nach dem 1. Mai war ein Lese-Wochenende – das gab’s für mich schon sehr lange nicht mehr. Und das Buch hat es mir leicht gemacht.

Das Genre Science Fantasy kannte ich bis dato nicht, aber die Mischung aus Personen und Themen, die durchaus real sein könnten, und einzelnen Aspekten, die mit dem aktuellen naturwissenschaftlichen Stand ganz offensichtlich nicht kompatibel sind, aber dennoch nicht völlig “abgehoben” wirken, spricht mich sehr an. Und wenn z.B. Ockhams Rasiermesser oder das Focaultsche Pendel unter anderem Namen, aber klar erkennbar, auftauchen, muss ich schmunzeln – und daran denken, dass die Autorin Physikerin ist wie ich.

In Gestohlenes Licht sieht die irdische Welt deutlich anders aus als die, die in der ich lebe. Und dennoch kommen viele Themen vor, die Parallelen zwischen den Staaten im Buch und großen “Playern” in unserer Welt erkennen lassen. Ein Staat wirkt sehr modern und fortschrittlich – dieser auf den ersten Blick positive Aspekt ist aber durch Ressourcen-Ausbeutung und eine deutliche Schere zwischen Arm und Reich erkauft. Ein weiterer ist ausgesprochen naturverbunden und auf Harmonie und Konsens bedacht – wird dadurch aber zum Spielball der aggressiveren Mächte. Und ein dritter erinnert in Struktur, Religion und kriegerischer Ausprägung sehr an an die nordischen Länder zu Zeiten der Wikinger.

Was allen aber gemein ist, ist die Abwesenheit des extremen, patriarchal geprägte Machtgefälles, das unserer Welt eigen ist. Gleichberechtigung ist “Standard” und die Tatsache, dass die Protagonist*innen durchwegs Frauen sind, fühlt sich in der Welt des Buches ganz selbstverständlich und unerwähnenswert an. In vielen der Gesellschaften sind auch queere Menschen völlig gleichberechtigt. Männer haben Ehemänner, Frauen haben Ehefrauen; Neo-Pronomen bei nicht-binären Menschen sind selbstverständlich; Polyamorie wird nur kurz gestreift; alles ohne negativen Beigeschmack wie bei uns oft noch immer. Aus einem queeren Blickwinkel ist die Welt des Buches also eine Utopie im positiven Sinne. Nur die nordische Gesellschaft ist in einem binären und hetero-normativen Menschenbild verhaftet – was einer der Protagonistinnen jedoch Raum für Entwicklung gibt.

Die verschiedenen Handlungsstränge, die sich immer wieder berühren, und Figuren, die mit ihren inneren und äußeren Konflikten eine erkennbare Entwicklung durchlaufen, machen die Erzählung für mich spannend bis zum Schluß.

Ich hätte gerne noch mehr davon…


Beitragsbild  © Carolin Lüders

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